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Pressebericht: "Ahrensburger Zeitung" 12. 06.1987
Tanz ist Lebensfreude und auch Therapie
hey Ahrensburg - In der Halle der Hamburger Tanzschule Walter Herde aus Ahrensburg herrscht aufgeregte Fröhlichkeit. Es ist Freitagnachmittag. Zeit für den Tanzunterricht einer Gruppe, die scheinbar aus dem Rahmen fällt. Geistig Behinderte aus Stormarn, zum großen Teil Mongoloide, lernen hier Fox-trott und Walzer, Cha-Cha und Jive.
Die jungen Männer und Frauen, die meisten zwischen 20 und 25 Jahre alt, arbeiten in der Ahrensburger Behindertenwerkstätte. Dort lernten sie vor acht Jahren auch ihren engagierten Tanzlehrer kennen. Walter Herde ließ in der Werkstatt Kataloge packen und revanchierte sich auf seine Weise: Er bot den Behinderten und ihren Betreuern den kostenlosen Tanzkursus an.
Inzwischen ist das Tanzen mit seinem gesellschaftlichen Hintergrund fester Bestandteil im Leben der geistig Behinderten. Und was Psychologen erst in letzter Zeit entdeckten, praktizieren Herde und seine Gruppe von freiwilligen Helfern schon lange: Tanzen als Therapie.
Carla Lewerendt aus Ahrensburg ist die Mutter der 25jährigen Ute, einer Mongoloiden. Über ihre Tochter erzählt sie, daß "Ute seit dem Tanzkurs sehr viel sicherer" geworden ist. "Im Auftreten hat sie einen Teil ihrer Schüchternheit verloren, sie ist aufgeschlossener den Dingen gegenüber, die wir und andere machen." Carla Lewerendt und ihr Mann nehmen Tochter Ute inzwischen fast auf jedes Fest mit.
Die Gruppe tanzt. Immer ein Behinderter mit einem Helfer, paarweise, ohne irgendwelche Schranken zwischen "krank" und "gesund". Gunthardt, 19 Jahre alt und mongoloid, tanzt mit Claudia, einer gleichaltrigen Schwesternschülerin, die diesen Kurs unterstützt.
Gunthardt trägt ein gelbes Hemd und einen extrem dünn gebundenen schwarzen Lederschlips. Er fühlt sich offensichtlich sehr wohl. Beim Cha-Cha betont er die lässigen Handbewegungen, die ihm Claudia vormacht, mit einem Schwung, daß man "Ole" rufen möchte. Als er merkt, dass er beobachtet wird, schenkt er den Zuschauenden ein kurzes, cooles Augenzwinkern.
Mit ihm freut sich auch Claudia, "Mir macht es Spaß, zu sehen, wie Gunthardt und seine Freunde neue Schritte lernen, wie sie sich freuen an einem neuen Tanz", erläutert die 19jährige Helferin die Motive für ihr Engagement. Und es geht, so sagt sie, auch nicht nur darum, die Behinderten zu beschäftigen. "Die sollen und wollen hier auch richtig tanzen lernen."
Die Helfer und Helferinnen geben dabei immer den Takt an, sie führen. "Viele der Behinderten tanzen inzwischen sehr gut", erzählt Claudia. "Sie brauchen nur für das, was ich in acht Wochen lerne, zwei Jahre."
(hier kommt noch ein Foto) Tanzen ohne Schranken: Schwesternschülerin Claudia und Gunthardt Fotos: HEYDEKAMPF
(hier kommt noch ein Foto) Tanzlehrer und Tanztherapeut: Walter Herde, hier mit der 20Jährigen Andrea aus der Ahrensburger Behindertewerkstatt
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